Gemeinderätin in Esterwegen

Seit wann en­ga­gierst Du dich po­li­tisch?

Mit­glied in einer Par­tei ge­wor­den bin ich 2010. Grund dafür waren die Kom­mu­nal­wah­len im dar­auf­fol­gen­den Jahr. Ich hab mich auf­stel­len las­sen, um mich ein­zu­brin­gen und mit­zu­ent­schei­den. Ich wurde dann auch gleich in den Ge­mein­de­rat ge­wählt – für den Samt­ge­mein­de­rat haben mir nur ein paar Stim­men ge­fehlt. Aber das ist das Ziel für die nächs­te Wahl.

Wie kann man sich die Ar­beit eines Rats­mit­glieds einer Ge­mein­de vor­stel­len?

Am An­fang denkt man, man kann die Welt ver­än­dern und ver­bes­sern. Mit der Zeit wird man – ein biss­chen – des­il­lu­sio­niert. Viele Dinge – wie z.B. Bau­pro­jek­te – gilt es ver­wal­tungs­tech­nisch ab­zu­seg­nen. In­ter­es­sant sind aber zum Bei­spiel Ge­wer­be­an­sied­lun­gen – wenn sich bei uns an­säs­si­ge Fir­men ver­grö­ßern wol­len, bzw. neue Fir­men hin­zu­brin­gen wol­len, bringt das auch Ar­beits­plät­ze. Da sind wir auch be­müht, un­se­ren In­dus­trie­stand­ort für u.a. Wind­kraft­an­la­gen zu si­chern.

Ich bin auch im Aus­schuss für Ju­gend, Sport und So­zia­les. Wir hat­ten bei uns kein rich­ti­ges Ju­gend­heim und haben über­legt, wie wir das auf­le­ben las­sen kön­nen, um den Ju­gend­li­chen im Dorf ein an­de­res Pro­gramm bie­ten zu kön­nen.

Es kommt auch immer dar­auf an, was ge­ra­de so an­fällt. Wir haben z.B. als En­er­gie­spar­maß­nah­me die LED-Stra­ßen­be­leuch­tung ein­ge­führt, was für uns na­tür­lich auch ein Kos­ten­er­spar­nis ist. Als klei­ne Ge­mein­de kann man sol­che Ein­spa­run­gen ma­chen, um nicht un­be­dingt die Steu­ern für die Bür­ger zu er­hö­hen.

Warum hast Du dich für den In­ter­na­tio­na­len Stu­di­en­gang Po­li­tik­ma­nage­ment ent­schie­den

Ich war nach mei­ner Aus­bil­dung ein hal­bes Jahr in Aus­tra­li­en und habe dann ge­guckt, was ich in Deutsch­land stu­die­ren könn­te. Ich fand den Stu­di­en­gang sehr in­ter­es­sant und be­reue es auch nicht. Ich habe hier das Ge­fühl das Theo­re­ti­sche zu ler­nen, was ich dann in der Pra­xis im Ge­mein­de­rat an­wen­den kann. Durch das Modul „Staat und Ver­wal­tung“ im ers­ten Se­mes­ter habe ich zum Bei­spiel ei­ni­ge Pro­zes­se aus dem Ge­mein­de­rat bes­ser nach­voll­zie­hen kön­nen.

Ist das Stu­di­um im ISPM also auch eine gute Vor­be­rei­tung auf die ak­ti­ve Po­li­tik, d.h. in Räten, Par­la­men­ten, Aus­schüs­sen, etc.?

Es ist auf jeden Fall eine gute Grund­la­ge. Und diese Grund­la­ge soll­ten auch mehr Po­li­ti­ker haben, weil es auch viele Fach­frem­de gibt, die nicht wis­sen, warum es be­stimm­te Me­cha­nis­men gibt. Ein Crash­kurs für jeden Po­li­ti­ker wäre da nicht ver­kehrt, um den Staats­auf­bau, das Wahl­recht und an­de­re grund­le­gen­de Sa­chen gut zu ver­ste­hen.

Wie gut lässt sich das Amt als Ge­mein­de­rä­tin mit dem Stu­di­um ver­ein­ba­ren?

Das kommt dar­auf an. Es­ter­we­gen ist z.B. 90 Ki­lo­me­ter weit weg. Ich habe auch da­mals extra ge­guckt, nicht zu weit weg zu stu­die­ren, da ich das Man­dat nicht auf­ge­ben woll­te. Na­tür­lich über­schnei­det sich das ab und zu. Ich fahre ein­ein­halb Stun­den nach Hause, weil ich dann eine Sit­zung von einer hal­ben Stun­de habe. Mitt­ler­wei­le ver­su­che ich auch, die Sit­zun­gen z.B. auf dem Don­ners­tag zu haben, dar­auf wird manch­mal Rück­sicht ge­nom­men. Ich muss auch oft ab­wä­gen, ob es wich­tig ist, hin­zu­fah­ren. Ich kann nicht jeden Ter­min wahr­neh­men – das Stu­di­um ist auch wich­tig. Dafür muss ich mich auch vor­be­rei­ten und ein­brin­gen, zu­sätz­lich zu den Prü­fungs­leis­tun­gen. Aber wenn man die Un­ter­stüt­zung hat, damit man sein Man­dat be­hal­ten kann, ist es mach­bar. Für mich zum Bei­spiel wird das kom­men­de Jahr mit Pra­xis- und Aus­lands­se­mes­ter schwie­rig. Bei mir fällt die Ab­we­sen­heit na­tür­lich be­son­ders auf. Denn bei uns im Ge­mein­de­rat liegt der Al­ters­durch­schnitt bei 40 bis 50+ Jah­ren.

In un­se­rem Stu­di­en­gang hat­ten wir auch schon ge­le­gent­lich Gäste aus der Bre­mer Lan­des­po­li­tik in den Vor­le­sun­gen. Wür­dest Du sagen, dass das ein guter Weg für die Stu­die­ren­den ist, die Ar­beit als Po­li­ti­ker bzw. Man­dats­trä­ger ken­nen­zu­ler­nen?

Ja, auf jeden Fall. Vor allen Din­gen auch, um die an­de­re Seite zu sehen. Wir ler­nen die Theo­rie – na­tür­lich auch mit Pra­xis­be­zug – und von Leu­ten aus der Pra­xis zu hören, wie ihre Ar­beit ab­läuft ist eine gute Idee. Es ist wich­tig, zu zei­gen, wie an­ge­wand­te Po­li­tik aus­sieht und wie Ent­schei­dun­gen ge­trof­fen wer­den.

Das In­ter­view mit Jen­ni­fer Adam führ­te Tim Holst, ISPM 7. Se­mes­ter.