Fulbright Summer Institute 2014 - ein Bericht von Caroline Schmidt

Im Som­mer die­sen Jah­res habe ich am „Fulbright Sum­mer In­sti­tu­te 2014“ teil­ge­nom­men. Das vier­wö­chi­ge Sti­pen­di­um der Fulbright Kom­mis­si­on er­mög­licht Stu­die­ren­den an Fach­hoch­schu­len ein Kurz­stu­di­um an einer staat­li­chen Uni­ver­si­tät im Osten der USA. Die Fulbright Kom­mis­si­on fi­nan­ziert das Visum, die Flüge, einen fünf­tä­gi­gen Auf­ent­halt in New York City, Ta­schen­geld, sowie zahl­rei­che Ak­ti­vi­tä­ten im Big Apple. Dar­über hin­aus kam sie für die Un­ter­kunft und Ver­pfle­gung auf dem Cam­pus und Aus­flü­ge auf.

Nach der Be­wer­bung Ende März er­hielt ich zeit­nah die Teil­nah­me­be­stä­ti­gung für das Pro­gramm an der Bing­h­am­ton Uni­ver­si­ty in New York. Kurz da­nach fand auch schon ein Vor­be­rei­tungs­se­mi­nar in Ber­lin statt. Be­reits Mitte Juli war ich mit 24 wei­te­ren Hoch­schü­le­rIn­nen auf dem Weg nach New York.

Unter den Sti­pen­dia­tIn­nen waren vor allem Stu­die­ren­de tech­ni­scher Hoch­schu­len aus Süd­deutsch­land. Den­noch fo­kus­sier­ten das Pro­gramm und die Kurse ge­sell­schaft­li­che und po­li­ti­sche The­men. Aus die­sem Grund hatte ich die Mög­lich­keit In­hal­te aus dem ISPM Stu­di­um mit in die Vor­le­sun­gen ein­flie­ßen zu las­sen.

Die An­rei­se

Die Fulbright Kom­mis­si­on über­nahm die ge­sam­te Rei­se­or­ga­ni­sa­ti­on. Für mich be­gann die Reise am Ham­bur­ger Flug­ha­fen. Von dort aus flog ich nach Frank­furt und traf mich mit den an­de­ren Sti­pen­dia­tIn­nen. Nach circa neun Stun­den Flug kamen wir al­le­samt am Flug­ha­fen in Ne­wark an. Hier wur­den wir be­reits von den Pro­gramm­ko­or­di­na­to­ren und Pro­fes­so­rIn­nen herz­lich emp­fan­gen. Sie küm­mer­ten sich die ge­sam­te Zeit um uns und ver­sorg­ten uns mit vie­len hilf­rei­chen Tipps.

Final Pro­ject

Nach unser An­kunft er­hiel­ten wir alle ein Thema für unser fi­na­les Pro­jekt, wel­ches wir wäh­rend un­se­res USA-Auf­ent­halts er­ar­bei­te­ten. Die Pro­jekt­grup­pen be­schäf­tig­ten sich mit Edu­ca­ti­on, Eco­no­mics, Health, Sports und Re­li­gi­on. Zu un­se­ren The­men er­ar­bei­te­ten wir jeder einen Vor­trag sowie ein The­sen­pa­pier. Wäh­rend der vier Wo­chen be­such­ten wir ver­schie­de­ne Ver­an­stal­tung zu den Vor­trags­the­men. Dar­über hin­aus wur­den Po­di­ums­dis­kus­sio­nen or­ga­ni­siert, in denen wir mit aus­ge­wähl­ten Ex­per­ten der Uni­ver­si­tät über un­se­re The­men spre­chen konn­ten.

New York

Von un­se­rem Hotel aus war man in­ner­halb von 15 Mi­nu­ten in Man­hat­tan. Von den Ko­or­di­na­to­rIn­nen wur­den wir mit 300 $ Ver­pfle­gungs­geld und einer Metro Card aus­ge­stat­tet. Des Wei­te­ren be­ka­men wir Ti­ckets für die Sight­see­ing-Bus­se und Frei­kar­ten für be­lie­bi­ge Se­hens­wür­dig­kei­ten. Ab­ge­se­hen von we­ni­gen vor­ge­schrie­be­nen Ver­an­stal­tun­gen, konn­ten wir die Tage in New York nach ei­ge­nen In­ter­es­sen und Pro­jekt­the­men ge­stal­ten.

Die Stadt, die nie­mals schläft mach­te ihrem Namen wirk­lich alle Ehre. Wäh­rend wir tags­über ver­such­ten, mög­lichst viel von der Stadt zu sehen, lie­ßen wir die Aben­de in einer der zahl­rei­chen New Yor­ker Bars aus­klin­gen.

Raus aus der Groß­stadt: Bing­h­am­ton Uni­ver­si­ty

Kaum aus der Mil­lio­nen­me­tro­po­le hin­aus­ge­fah­ren, lag eine weite Wald- und Hü­gel­land­schaft vor uns. Im Lan­des­in­ne­ren des Bun­des­staa­tes New York be­fin­det sich die Klein­stadt Bing­h­am­ton. Die Bing­h­am­ton Uni­ver­si­tät liegt auf einem gro­ßen Hügel mit­ten in einem Na­tur­schutz­ge­biet. Auf ihrem Cam­pus leben um die 16.000 Stu­die­ren­de. Sie wer­den hier mit allem Nö­ti­gen für das täg­li­che Leben ver­sorgt. So waren neben klei­nen Sou­ve­nir­shops und di­ver­sen Es­sens­mög­lich­kei­ten (Me­xi­ka­nisch, Sub­way oder Red Mango) auch die ty­pisch ame­ri­ka­ni­schen Star­bucks­fi­lia­len auf dem Ge­län­de ver­teilt.

Un­ter­kunft

Unser Dorm be­fand sich auf einem hoch­ge­le­ge­nen Hügel, von wo wir eine tolle Sicht über das ge­sam­te Ge­län­de und die Stadt hat­ten. Der An- und Auf­stieg zum Moun­tain­view wurde zum täg­li­chen Pau­sen­trai­ning nach einer der def­ti­gen ame­ri­ka­ni­schen Mahl­zei­ten. Das Ap­par­te­ment­haus be­stand aus klei­nen Woh­nun­gen für je­weils sechs Per­so­nen. Ge­mein­sam mit un­se­ren Mit­be­woh­ne­rIn­nen nutz­ten wir zwei Bäder sowie eine klei­ne Kü­chen­zei­le und ein Wohn­zim­mer. Im Dorm gab es auch eine voll aus­ge­stat­te­te Küche und Wä­sche­räu­me. Zudem ver­füg­te man auf dem Cam­pus über ein flä­chen­de­cken­des W-Lan-Netz.

Un­ter­richt

Jeden Mor­gen gin­gen wir um acht Uhr zur Di­ning Hall um zu früh­stü­cken. Von diens­tags bis frei­tags hat­ten wir an­schlie­ßend bis 16 Uhr Vor­le­sung. Da­nach stan­den häu­fig noch wei­te­re Pro­gramm­punk­te an oder wir nutz­ten die Zeit, um in der Bi­blio­thek für unser Pro­jekt zu re­cher­chie­ren. Nach dem Abend­es­sen konn­te die Frei­zeit dann end­lich voll aus­ge­kos­tet wer­den.

Wäh­rend der vier Wo­chen be­such­ten wir zwei Vor­le­sun­gen. Die „U.S. Cul­tu­ral Di­ver­si­ty“ Class be­schäf­tig­te sich mit dem Ver­bes­sern un­se­rer Sprach­kom­pe­tenz. Der Schwer­punkt des Un­ter­richts lag auf Dis­kus­sio­nen und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­stra­te­gi­en zum Thema Di­ver­si­ty. An die­sem Kurs nah­men Mut­ter­sprach­ler teil, um in der Grup­pen­ar­beit das Eng­lisch­spre­chen zu för­dern. Dar­über hin­aus war das eine tolle Ge­le­gen­heit, die ame­ri­ka­ni­schen Stu­die­ren­den bes­ser ken­nen­zu­ler­nen und Kon­tak­te zu knüp­fen.

Im Nach­mit­tags­un­ter­richt be­schäf­tig­ten wir uns mit den „Pro­blems and Pro­mi­ses in Ame­ri­can Di­ver­si­ty: Bing­h­am­ton and Up­sta­te New York“. Es wur­den ver­schie­de­ne Pro­ble­me auf­grund von Eth­nie, Re­li­gi­on, Po­li­tik, Wirt­schaft, Se­xua­li­tät und sprach­li­cher Dif­fe­ren­zen the­ma­ti­siert. Der Fokus lag in der kri­ti­schen Ana­ly­se der lo­ka­len Ge­schich­te. Die­ses Fach hat mir sehr gut ge­fal­len, da der Pro­fes­sor alle Un­ter­richts­the­men span­nend auf­ar­bei­te­te und die be­han­del­ten The­men häu­fig in Bezug auf ak­tu­el­le Po­li­tik ge­setzt wur­den. Des­halb konn­ten wir auch Bei­spiel aus der deut­schen Po­li­tik mit in die Dis­kus­si­on mit ein­brin­gen. Auch Lehr­in­hal­te aus den ISPM-Se­mi­na­ren „His­to­ry and Theo­ries “ und So­zi­al­struk­tur­ana­ly­se, sowie dem Se­mi­nar von Herrn Die­t­er­le stan­den im Bezug zu die­ser Vor­le­sung.

Im Re­li­gi­on Panel (Po­di­ums­dis­kus­si­on) wur­den Re­prä­sen­tan­tIn­nen der re­li­giö­sen Ge­mein­den ein­ge­la­den, mit denen wir Dis­kus­sio­nen zur Stel­lung von Frau­en und Ho­mo­se­xu­el­len in­ner­halb der Re­li­gio­nen führ­ten. Auch der Nah­ost­kon­flikt wurde wäh­rend des drei­stün­di­gen Pa­nels zum Dis­kus­si­ons­the­ma. Be­son­ders diese Ver­an­stal­tun­gen haben eine Viel­zahl von Per­spek­ti­ven in­ner­halb der USA auf ak­tu­el­le Kri­sen ge­bo­ten, und ich habe viel über die den Um­gang mit der plu­ra­lis­ti­schen Ge­sell­schaft in den USA ge­lernt.

Aus­flü­ge und Ver­an­stal­tun­gen

Neben den Ein­füh­rungs­ver­an­stal­tun­gen or­ga­ni­sier­ten die Ko­or­di­na­to­rIn­nen noch viele wei­te­re Aus­flü­ge in­ner­halb der Re­gi­on sowie ein Wo­chen­en­de in Ro­ches­ter. Hier haben wir ein Kunst­fes­ti­val be­sucht und einen Tag an der Cor­nell Uni­ver­si­ty in Itha­ka ver­bracht. Nach­mit­tags be­such­ten wir ge­mein­sam Base­ball­spie­le, Mu­se­en, Un­ter­neh­men, ein Zen­trum zur In­klu­si­on von Men­schen mit Be­hin­de­rung, sowie eine Or­ga­ni­sa­ti­on zur Be­kämp­fung von Dis­kri­mi­nie­rung und Ge­walt gegen Frau­en. Be­son­ders in­ter­es­sant war es den di­rek­ten Zu­sam­men­hang zwi­schen den so­zia­len Pro­ble­men und der nicht aus­rei­chen­den Fi­nan­zie­rung des So­zi­al­sys­tems zu sehen. Hier un­ter­schei­den sich so­zia­le Ein­rich­tun­gen und der Um­gang mit Min­der­hei­ten und Hil­fe­be­dürf­ti­gen stark von den deut­schen Struk­tu­ren.

Un­ter­richts­freie Zeit

Trotz des ab­wechs­lungs­rei­chen Pro­gramms hat­ten wir Zeit, an den ver­schie­de­nen Orten die Zeit nach un­se­rem ei­ge­nen In­ter­es­se zu ge­stal­ten. Abends konn­te man down­town aus­ge­hen oder wir ver­brach­ten die Zeit ge­mein­sam mit den ame­ri­ka­ni­schen Stu­die­ren­den auf dem Cam­pus. Alle waren sehr auf­ge­schlos­sen und un­ter­neh­mungs­lus­tig. Sie haben uns Tipps ge­ge­ben und uns die ame­ri­ka­ni­sche Aus­geh­kul­tur nä­her­ge­bracht.

Dar­über hin­aus ist die Uni­ver­si­tät auch mit Frei­zeit­ak­ti­vi­tä­ten sehr gut aus­ge­stat­tet. Wir hat­ten die Mög­lich­keit das Fit­ness­stu­dio, die Schwimm­hal­le und wei­te­re Sport­an­la­gen zu nut­zen. Di­rekt hin­ter un­se­ren Ap­par­te­ment­häu­sern gab es einen Wild­nis­pfad, auf dem man auf Rie­sen­schild­krö­ten, Rehe und Schlan­gen tref­fen konn­te. Ab und zu lief einem auch ein Stink­tier auf dem Cam­pus über den Weg.

Eine wich­ti­ge An­lauf­stel­le war das Shop­ping Zen­trum, wel­ches in­ner­halb von 15 Mi­nu­ten mit dem Bus er­reich­bar war. Ein wirk­li­ches Muss für jeden Tou­ris­ten ist der 24 Stun­den ge­öff­ne­te Wal Mart. Dort konn­te man fast alles kau­fen. Von Waf­fen über Me­di­ka­men­te und Essen bis hin zu Rä­dern war alles vor­han­den. Jedem Kun­den stand au­ßer­dem ein Elek­tro­mo­bil zur Ver­fü­gung, um den rie­si­gen Markt zu er­kun­den. Die Aus­flü­ge zu Wal Mart waren zwar ein ech­ter Kul­tur­schock, aber dafür auch der ein­zi­ge in den vier Wo­chen USA.

Fazit

Das Fulbright Sum­mer In­sti­tu­te war eine tolle Er­fah­rung. Ich emp­feh­le jedem, sich für einen Auf­ent­halt an der Bing­h­am­ton Uni­ver­si­ty zu be­wer­ben. Sprach­lich war der Auf­ent­halt eine große Be­rei­che­rung. Ich habe nur wenig Deutsch ge­spro­chen und auch au­ßer­halb des Pro­gramms viel Zeit mit Ame­ri­ka­ne­rIn­nen ver­bracht. Es kommt aber sehr dar­auf an, was man aus der Zeit macht und wie sehr man sich auf die An­ge­bo­te ein­lässt.

Ich habe viel über die ame­ri­ka­ni­sche Kul­tur ge­lernt, die hier­zu­lan­de häu­fig doch recht ver­zerrt dar­ge­stellt wird.

Auch wenn man als ISPMler gut auf das Aus­lands­se­mes­ter vor­be­rei­tet wird, ist das Sum­mer In­sti­tu­te eine ein­ma­li­ge Ge­le­gen­heit zur Vor­be­rei­tung. Es bie­tet einem die Mög­lich­keit, einen Blick über un­se­ren deut­schen Tel­ler­rand zu wer­fen.