BA Internationaler Studiengang Politikmanagement (ISPM)
MA Politik und Nachhaltigkeit (PoNa)

Planspiel im Modul 7.3.1 Global Governance (WS 2012/2013)

Studierende des 7. Semesters Politkmanagement führten ein sehr lehrreiches Planspiel durch:

Am 14. Dezember 2012 fanden sich 41 Delegierte stellvertretend für 17 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen in der Hochschule Bremen ein, um beim bremischen Rio+20-Gipfel eine Resolution zur nachhaltigen Entwicklung und zu Green Economy zu verabschieden.

Die zweitägige UN-Tagung blieb jedoch erfolglos: Die Resolution mit dem Titel `Green Economy in the context of sustainable development and poverty eradication´ konnte nicht verabschiedet werden.“

Dies ist die Bilanz, die das 7. Semester inklusive der Gaststudierenden aus dem Planspiel innerhalb des Moduls „Global Governance“ im Wintersemester 2012/13 zog. Hier simulierten die 41 an der Lehrveranstaltung teilnehmenden Studierenden die UN-Konferenz für nachhaltige Entwicklung, die in der Realität bereits vom 20.-22. Juni 2012 in Rio de Janeiro stattgefunden hatte.
Das Teilmodul, geleitet von Prof. Beate Zimpelmann und unterstützt von der wissenschaftlichen Mitarbeiterin Anna Mohr, ist bewusst praxisorientiert angelegt, um den Studierenden des Internationalen Studiengangs Politikmanagement (ISPM) in ihrem letzten Semester die Herausforderung internationaler Verhandlungen auf globaler Ebene zu verdeutlichen. Dadurch baut das Teilmodul auf vorhergehende Lehrinhalte wie dem „Planspiel Internationale Beziehungen“ und „Konfliktmanagement und Verhandlungsführung“ aus dem 6. Semester oder auf „Mehrebenenpolitik am Beispiel eines Politikfeldes“ begleitend aus dem 7. Semester auf.
Vorbereitend hatten Treffen zur Einführung in die Thematik stattgefunden, bei welchen inhaltliche Hintergründe erklärt und fachliche Bezüge hergestellt wurden, sowie die Studierenden sich den teilnehmenden Staaten zuordneten. Eine Gruppe übernahm die Aufgabe der Verhandlungsleitung und somit das „Amt“ des UN-Generalsekretärs.
In Gruppen von 2-3 Personen erarbeiteten die Studierenden eigenverantwortlich die Position ihres Staates zu nachhaltiger Entwicklung und Green Economy, sowie entwarfen eine Verhandlungsstrategie, die möglichst der tatsächlichen Strategie der jeweiligen Delegation in UN-Verhandlungen nahe kommen sollte.
Weiterhin waren die Delegationen dazu angehalten die vorab zur Verfügung stehende, von den Lehrenden gekürzte und abgewandelte Resolution, über die verhandelt werden sollte, zu bearbeiten und gegebenenfalls Änderungsanträge zu entwickeln. Diese Anträge sollten dann eingereicht werden, wenn ein Staat glaubte, der Verabschiedung der Resolution nicht ohne die Änderung eines bestimmten Paragraphen zustimmen zu können.
Hauptziel der Verhandlung ist, dass schlussendlich eine Resolution verabschiedet wird – dafür müssen natürlich Kompromisse innerhalb der Verhandlungen gemacht werden.
Verhandlungsspielregeln gaben dem prozeduralen Ablauf und den formalen Anforderungen Kontur. Die Gruppe des UN-Generalsekretariats achtete auf deren Einhaltung und übernahm die Leitung des Tagungsablaufs des Planspiels am 14. Und 15. Dezember. Die Veranstaltung selbst fand in englischer Sprache statt.
Innerhalb der beiden Konferenztage wurde – wie bei realen UN-Konferenzen – nur noch im informellen Rahmen, also in den Pausen, verhandelt. Ansonsten entsprach alles dem Kondukt der „Model United Nations“-Simulationen, wo während der Konferenz selbst lediglich die einzelnen Abschnitte der Resolution durchgegangen, Änderungsanträge eingereicht, kurze Redebeiträge für und gegen die Änderung des Textteils gehalten werden und im Anschluss über die Änderung oder den Verbleib der Formulierung abgestimmt wird.
Dies erforderte von den teilnehmenden Delegationen eine sehr gute inhaltliche Vorbereitung und schon vor Konferenzbeginn die Entwicklung der jeweiligen Verhandlungs-Maximal- und -Minimalziele.
Dennoch – oder womöglich gerade deshalb – waren die Studierenden dazu hingerissen, die Interessen ihrer Delegation in ihren Redebeiträgen sehr selbstbewusst, beinahe karikierend, darzustellen. Die meisten Delegationen beharrten auf ihren – teilweise natürlich sehr gegensätzlichen – Standpunkten und Forderungen. So kam keine 2/3-Mehrheit zustande, was jedoch zur Verabschiedung nötig gewesen wäre.
Nach UN-Kriterien war die simulierte UN-Konferenz damit am Nachmittag des 15.12.2012 gescheitert.
Doch aus studentischer Perspektive bedeutete das Planspiel – angesichts der aus dem Planspiel gewonnen Lernergebnisse und Einsichten – einen vollen Erfolg und einen Gewinn an Erfahrungsmehrwert in Bezug auf „globale politische Steuerung“.
Die meisten Teilnehmenden hatten die eigentliche Herausforderung der Konferenz, eine 2/3-Mehrheit für die Verabschiedung der Resolution herzuleiten, während der Veranstaltung aus den Augen verloren. Dies war zwar ernüchternd, verinnerlichte den TeilnehmerInnen jedoch, welch Herausforderung die reale Rio+20-Konferenz mit 198 teilnehmenden Staaten gewesen sein muss.
Außerdem führte diese praktische Erfahrung den StudentInnen die Hürden globalen Regierens vor Augen: Benötigt die Verabschiedung einer Resolution auf globaler Ebene zumindest ein gewisses Maß an Einigkeit, stellt die Kompromissfindung zwischen den Staaten, die konkrete, verbindliche Zugeständnisse fordern und den skeptischen, wenig ambitionierten Staaten die größte Herausforderung dar.
Dass die „echte“ Rio+20-Resolution, die im Juni 2012 auf der Konferenz in Brasilien, verabschiedet wurde, sehr unverbindlich und unkonkret blieb, können die Studierenden angesichts des Scheiterns ihrer eigenen Verhandlungen nun besser nachvollziehen.
Bericht: Jasmin Siebold

 

 

 
 
 

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