Auslandssemester an der Malmö Högskola

von Nils Meinefeld

Der nachfolgende Bericht gibt meine sehr subjektiven Erlebnisse und Sichtweisen von 8 Monaten Malmö wieder. Ich hoffe er hilft dabei, einen ersten kleinen Eindruck zu gewinnen.

Alle Schweden sind blond und Malmö ist hässlich, zwei Stereotype mit denen man konfrontiert wird, bevor man ein Auslandssemester in Malmö antritt. Beide lassen sich aus meiner Perspektive nicht bestätigen. Zutreffender ist zunächst einmal, dass die Schweden ein sehr Mode- und Design bewusstes Volk sind und dementsprechend sehr auf ihr Äußeres bedacht. Vielleicht auch deswegen wirken sie auf den ersten Blick etwas distanziert. Wenn man allerdings bereit ist, den ersten Schritt zur Kontaktaufnahme zu machen, wird man zumeist sehr freundlich aufgenommen. Will man in diesem Zusammenhang jemanden besuchen, so sucht man nach der Türklingel meist vergebens. Die meisten Mietshäuser lassen sich nur durch die Eingabe eines Zifferncodes oder durch lautes Schreien vor der Haustür betreten. Sicherheit spielt eine wichtige Rolle in Schweden, es hat ein bisschen was von Big Brother. Dieses Gefühl erfasst einen durch die Anwesenheit diverser Kameras an öffentlichen Plätzen sowie besonders durch die schwedische Personennummer, ohne die man weder einen Arzt aufsuchen kann, noch ein Konto eröffnen, geschweige denn einen Telefonanschluß erhalten. Bemerkenswert ist, dass sich die Schweden dadurch nicht in ihrer Freiheit beschränkt sehen, sondern im Gegenteil sich sicherer Fühlen und es auch nicht bedenkenswert finden, dass ca. 2 Mio. Menschen in Schweden unter ihrer Personennummer DNA erfasst sind, mit steigender Tendenz. Die Sicherheit hat jedoch seine Grenzen. Wer sich am Zebrastreifen darauf verlässt, dass der Autofahrer, weil er gesetzlich dazu verpflichtet ist, anhält, der könnte dieses mit dem Leben bezahlen!

Wer auch als Gast in Schweden „sicher“ sein will, der sollte vor dem Betreten einer Wohnung zu Besuchs- oder Party Zwecken auf jeden Fall seine Schuhe an der Tür ausziehen, auch und gerade wenn dort schon 50 Paare der anderen Gäste stehen, weiterhin sich möglichst bei jedem anwesenden Gast per Handschlag mit Namen persönlich vorzustellen, seine eigenen Getränke mitzubringen, da man von den Gastgebern aufgrund der abnormalen Alkoholsteuern in den staatlichen Monopol Läden (Systembolaget) nicht erwarten kann diese bereitzustellen und auf gar keinen Fall eine Zigarette anzuzünden, ohne vorher die Erlaubnis des Gastgebers einzuholen! Aufgrund einer sehr hohen Zahl von Nichtrauchern (82%), wird in sehr wenigen Wohnungen geraucht, in öffentlichen Gebäuden ist es sowieso generell verboten, was für Nichtraucher sehr angenehm ist! Gesundheit und Körperkult werden in Schweden GROSS geschrieben!

Es handelt sich um eine sehr weltoffene Gesellschaft, in der man als Ausländer aus der westlichen Welt oftmals sogar positiv diskriminiert wird. Auffallend ist das sehr hohe Niveau der englischen Sprache innerhalb der Bevölkerung, besonders auch innerhalb der nicht bildungsnahen Gesellschaft. Dieses führt dazu, dass es die Schweden einem sehr schwer machen sich dafür zu motivieren ihre Sprache zu erlernen, da man sich überall problemlos auf Englisch verständigen kann. Wenn man allerdings die Disziplin besitzt, neben dem Studium noch schwedisch zu lernen, so ist dieses gerade für Deutsche relativ leicht erlernbar und wird von Einheimischen sehr geschätzt. Schon nach 4-6 Monaten sind dann Alltagsgespräche in der Landessprache möglich, wobei dieses sehr viel schwieriger ist, wenn man auf echte Südschweden trifft, deren Dialekt oft nur schwer zu verstehen ist und manchmal ein bisschen an dänisch erinnert.

Malmö ist eine Stadt im Wandel. Durch den Wegfall von Schiffbau und produzierendem Gewerbe sah man sich gezwungen verstärkt auf Bildung zu setzen. Damit einher ging die Gründung der Malmö Högskola 1998, deren Studentenzahlen von damals 5000 auf mittlerweile 25000 gewachsen sind und Malmö damit zu einer Studentenstadt haben werden lassen. Alle universitären Einrichtungen liegen sehr zentral und sind leicht per Fahrrad zu erreichen. Die Studienbedingungen an der Hochschule sind nahezu perfekt und die Administration arbeitet sehr studentenfreundlich. Besonders schön ist Malmö in den Sommer Monaten, in denen der Strand sowie diverse sehr schöne Parks die idealen Vorraussetzungen zur Naherholung schaffen. Negativ zu Buche schlägt das Preisniveau, das gerade in den für Studenten sensiblen Bereichen wie Kaffees und Clubs noch deutlich über deutschen Verhältnissen liegt. Gerade in Kaffees wird diskutiert, wie man mit den Kinderwagen umgeht, die einem überall im Weg stehen, denn hier gibt es sie noch in auffallend großer Anzahl- Jungmütter!

Durch die Öresundbrücke hat die Region an Dynamik gewonnen. Kopenhagen lässt sich innerhalb von 35min bequem per Zug erreichen, was dazu geführt hat, dass Kopenhagener aus Kostengründen in zunehmender Anzahl nach Malmö ziehen. Generell sind beide Länder durch die Brücke zumindest geographisch näher zusammen gerückt.

Dass sich trotz massiver Einschnitte ein Sozialstaat auf hohem Niveau erhalten lässt und dass sich hohe Steuerbelastung mit solidem Wirtschaftswachstum verbinden lassen, zeigt das schwedische Beispiel in hervorragender Weise. Die soziale Schere geht bedeutend weniger auseinander als in Deutschland. Bezeichnender Weise wurden bei den von Ministerpräsident Persson initiierten Einsparungen die Bereiche Bildung und Forschung von Kürzungen ausgenommen, was letzten Endes dazu geführt hat, dass Schweden nicht nur in der Pisa Studie durchgehend in der Spitze zu finden ist, sondern mit 4% des BIP auch von allen Industrie Staaten den mit Abstand proportional größten Teil für Forschung und Entwicklung zur Verfügung stellt. Auch deswegen würde ich mir in der Deutschen Reformdebatte ein bisschen weniger „USA“ und ein bisschen mehr „Schweden“ wünschen, obwohl natürlich auch in Schweden nicht alles optimal ist, aber vieles gerechter.


Der Ribersborg Strand

Neubauten in der neuen Hafen Stadt- Västra Hamnen
  
Typisches Stadtbild

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