Praxissemester an der Deutschen Botschaft in Bangladesch

Ein Auszug aus dem Praxissemesterbericht von Janett Kampf.

Die Zeit an der Deutschen Botschaft in Dhaka verging unheimlich schnell. Im ersten Monat war ich noch sehr unsicher, inwieweit ich mir das Auswärtige Amt als zukünftigen Arbeitgeber vorstellen könnte, doch nach fast fünf Monaten wäre ich gerne länger in der Botschaft geblieben. Zum einen lag das an der Offenheit und Freundlichkeit meiner Kollegen und dem Arbeitsklima an sich und zum anderen an der Fülle der unterschiedlichen Aufgaben, die ich während meiner Tätigkeit bearbeitet habe.

Zu Beginn habe ich sehr viele Berichte zur wirtschaftlichen und politischen Situation aber auch zu den Themen Terrorismus, Menschenrechte und Asyl gelesen. In den ersten vier Wochen hatte ich vorrangig kleinere Aufgaben aufgetragen bekommen, da die andere Praktikantin bereits die Routineaufgaben erledigte. In diesem Zeitraum bedauerte ich es zeitweise nicht nur einem Projekt zugeordnet worden zu sein. Auf der anderen Seite genoss ich es jedoch die umfangreiche Lektüre zu lesen und dadurch ein umfassendes Bild über Bangladesch, die Botschaft und Organisationen im Land zu erhalten. In diesem Zeitraum hatte ich noch genügend Zeit Kollegen und das Botschaftsumfeld besser kennen zu lernen.

Im Verlauf meines Praktikums wurden mir dann die Routineaufgaben sowie eigene Projekte wie der Luftfahrt- und Energiebericht übertragen, sodass ich eigenständiger und unabhängiger arbeiten konnte. In der Botschaft waren viele meiner Kollegen für längere Zeit im Urlaub, sodass ich Stellenweise auch als Urlaubsvertretung diente. Des Weiteren wurden im Zeitraum März bis Juli keine umfangreichen Jahresberichte und Halbjahresberichte verfasst, weshalb meine wesentliche Arbeit auf  Recherche basierte. Das Verfassen derartiger Berichte förderte zudem die enge Zusammenarbeit mit der GTZ und KfW, was ich als sehr positiv bewerte.
 
Mir wurde stets der Eindruck vermittelt, eine „normale“ Kollegin zu sein, die ihre Projekte eigenständig bearbeiten und immer mehr Entscheidungen treffen durfte. Ich hatte mich nicht nur in der Botschaft sehr gut eingelebt und vermisse meinen geregelten Tagesablauf dort, sondern auch in die Kultur und das Leben in Bangladesch. Die politische Situation war zum Zeitpunkt meines Praktikums sehr spannend. Ich habe ein Land im politischen Ausnahmezustand sowie die Arbeit einer Übergangsregierung kennengelernt.

Ich wünsche diesem Land, mit der einzigartigen Natur, mit den selbstbekennenden „glücklichsten Menschen der Welt“ trotz all seiner Probleme alles Gute und hoffe auf eine Verbesserung der sozialen und wirtschaftlichen Situation. Das Leben der Menschen in diesem Land hat mir eine neue Blickrichtung eröffnet und ich bewundere die bangladeschische Bevölkerung und deren Ehrgeiz und Durchhaltevermögen.

Ich habe in einem Land gelebt, in dem beispielsweise Demokratie und Menschenrechte, Terrorismus und Lebensstandard in einem anderen Stellenwert haben und sehe die Bundesrepublik Deutschland nun mit anderen Augen. Die Arbeit an der deutschen Auslandsvertretung ermöglichte mir den Einblick in unterschiedliche Themenfelder wie es keine Organisation in Deutschland in vergleichbarer Weise sicherstellen hätte können. Diese Einblicke wurden durch die privaten Erfahrungen während meines Auslandsaufenthalt in Indien ergänzt, denn ich denke, dass es nur möglich ist, dieses Land, seine Menschen und die Politik zu verstehen, wenn man in Bangladesch gelebt hat.

Demokratie ist nicht gleich Demokratie, Menschenrechte sind nicht gleich Menschenrechte, Islam ist nicht gleich Islam und Armut ist nicht gleich Armut- soviel habe ich mitunter in meinen täglichen Leben in Dhaka gelernt und werde diese persönlichen Erfahrungen nie wieder vergessen.

Nach fünf Monaten fiel es mir schwer zu gehen, die Arbeit zu verlassen, meine Wohngemeinschaft und all die Menschen, die ich in dieser Zeit lieb gewonnen habe. Sollte sich eine Möglichkeit ergeben, gehe ich gern zurück. Ich kann behaupten, dass mich dieses Praxissemester in besonderer Weise geprägt hat.

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