ÖFFENTLICHE PODIUMSDISKUSSION AM 21.06.2010


„Die rücksichtslose Überfischung mit all ihren Folgen für die Wirtschaft der Küstenregionen gehört der Vergangenheit an. Fast alle europäischen Fischbestände haben sich bis zum höchstmöglichen Dauerertrag erholt. Das bedeutet, dass zahlreiche Bestände gegenüber 2010  deutlich gewachsen sind... Die Fischereiunternehmen erhalten Anreize, verantwortungsvoll zu  handeln, sie müssen jedoch auch den Nachweis dafür erbringen, dass sie die Grundsätze der  GFP beachten... Außerhalb Europas arbeitet die EU weiterhin daran, weltweit ein verantwortungsvolles meerespolitisches Handeln und eine verantwortungsbewusste Fischerei zu  fördern. In den Abkommen mit Drittländern wird nun vermehrt das Schwergewicht auf einen  größeren Beitrag der EU zur Entwicklung der lokalen Fischereien, mehr Investitionen und ein  verantwortungsvolleres meerespolitisches Handeln gelegt."
(aus: Kommission der Europäischen Gemeinschaften 2009: Grünbuch - Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik, Kapitel 1: Eine Vision für die europäische Fischerei bis 2020)


Die Realität sieht heute vollkommen anders aus: 75 Prozent der kommerziell genutzten Fischbestände sind überfischt oder werden bis an ihre Grenzen befischt. Beliebte Fischarten wie Thunfisch, Kabeljau und Seelachs sind vom Aussterben bedroht, Umweltschützer schlagen seit Jahren Alarm und die Vereinten Nationen haben 2010 zum Jahr der Artenvielfalt erklärt. Doch wer ist verantwortlich für diese gefährliche Entwicklung und wie lässt sich der Trend stoppen?

An diese Fragen knüpft eine öffentliche Podiumsdiskussion am 21. Juni um 19:30 Uhr im Bremer Haus der Wissenschaft an, die Studierende der Fakultät Gesellschaftswissenschaften an der Hochschule Bremen unter dem Titel: „Iss weniger Meer?! - Forum über die Zukunft der Fischerei und Fischvielfalt“ organisieren. (Flyer)

Es diskutieren der Bürgerschaftsabgeordnete Frank Willmann (Bündnis 90/Die Grünen), Dr. Matthias Keller (Geschäftsführer Bundesverband der deutschen Fischindustrie und des Fischgroßhandels e.V.), die Fischereiexpertin  Karoline Schacht (WWF) und der Wissenschaftler Dr. Ralf Döring (Institut für Seefischerei) über Lösungsansätze. Dr. Till Markus, Experte für Fischereipolitik der Universität Bremen, moderiert die Veranstaltung und wird das Publikum in das Gespräch mit einbeziehen.


Dabei gilt: Die Verantwortung für das Problem ist nicht auf einzelne Akteure zu reduzieren.  Obwohl die Gemeinsame Fischereipolitik der Europäischen Union eine der am stärksten  regulierten Politikfelder ist, verfehlt sie ihre angestrebten Ziele. Zum einen übersteigt die Zahl der Fangflotten die natürlichen Ressourcen, zum anderen sind die politischen Vorgaben so unpräzise, dass eine genaue Kontrolle der Fischereipraktiken nicht durchsetzbar ist. Diese  Rahmenbedingungen begünstigen das kurzfristige Denken aller Beteiligten - bis hin zum Verbraucher.


Linksammlung mit weiterführenden Hintergrundinformationen:

Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik der Europäischen Union – Grünbuch
Internationales Jahr der biologischen Vielfalt 2010
Weltfischereireport der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO

Fischer und Forscher in einem Boot (SWR 2 Wissen Radiofeature vom 31.03.2010)
ZDF Mediathek – Beiträge: Überfischte Meere; Mit gutem Gewissen Fisch essen

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