Entwicklung neu denken


Das Kompetenzzentrum Nachhaltigkeit im globalen Wandel der Hochschule Bremen (GLOKAL) hat am Donnerstag, den 21.01.2010 um 19 Uhr zu der Veranstaltung "Entwicklung neu denken" eingeladen.

Prof. Dr. Hans-Jürgen Burchardt von der Universität Kassel widmete sich dem Thema "Die Nord-Süd-Beziehungen im Umbruch" und näherte sich dem Thema anhand verschiedener Dimensionen. In seinem Vortrag stellte Burchardt zunächst dar, dass Entwicklung meist als linearer, evolutionärer Prozess mit dem Erreichen der westlichen Moderne als Endziel verstanden werde. Das liberale, universalistische Menschenbild eurozentristischer Prägung war die zweite Dimension, die er zur Analyse gegenwärtiger Entwicklungspolitiken heranzog. Auf Grundlage dieser Überlegungen kritisierte Burchardt eine oft von Evolutionsdenken und Eurozentrismus verstellte Sicht auf Entwicklungszusammenhänge und plädierte dafür, „die Welt erst neu zu verstehen, bevor man sie neu erklärt.“ Themen wie „Hunger in der Welt“, Lohndumping, Migration und transnationaler Terrorismus waren einige der Beispiele, anhand welcher Burchardt seine Thesen illustrierte. Auch die globale Finanzkrise könne als Reformphase der Entwicklungspolitik genutzt werden.

Anschließend vertiefte Prof. Dr. Beate Zimpelmann, Studiengangsleiterin des Master "European and World Politics", die Dimensionen der Nachhaltigkeit und der Klimagerechtigkeit. Die Welt befinde sich im Umbruch, insbesondere nach dem Scheitern des Klimagipfels in Kopenhagen, so Zimpelmann. Zur Lösung globaler Probleme werde der Einbezug der Dritten Welt immer wichtiger. Für den Westen gültige Erfahrungen hinsichtlich der eigenen Entwicklung zu Industrienationen seien jedoch nicht mehr zeitgemäß und nicht auf Entwicklungs- und Schwellenländer übertragbar. Angesichts der Endlichkeit globaler Ressourcen, sei „das europäische Wirtschafts- und Entwicklungsmodell gescheitert“. Prof. Zimpelmann und Prof. Burchardt warben deshalb für neue Zugänge zum Verstehen der Nord-Süd-Beziehungen unter Einbeziehung des Nachhaltigkeitsgedankens.

Die zahlreichen interessierten Zuhörer, die sich im Tagungsraum der Universität Bremen auf der Weser-Halbinsel einfanden, führten im Anschluss eine anregende Diskussion mit den Referenten. 

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